Dallas Cowboys Draft Bewertung

Was für ein Draft der Dallas Cowboys! Keine Trades, dafür zum ersten mal seit 30 Jahren wieder eine Offensive Tackle in Runde 1! Und wieder mal machen die Draft Picks der Cowboys auf den ersten Blick nur bedingt Sinn. Immerhin schien vor dem Draft klar, dass die Needs vor allem in der schwachen Secondary liegen. Die Defensive Line wurde als weitere große Baustelle der Cowboys identifiziert…

Aber es kam natürlich ganz anders… Insgesamt verwendeten die die Cowboys sechs ihrer acht Picks für die Offense. Die Defensive Line wurde gar nicht berücksichtigt. Daher stellt sich mir die Frage, ob dieser Draft das Team wirklich stärkt, oder ob im Rahmen der Free Agency massiv nachgebessert werden muss?

Tyron Smith – Offensive Tackle (Southern California)

6-5, 307 lbs
1. Runde (Position 9)

Gleich zu Beginn möchte ich Folgendes über Tyron Smith loswerden: Smith hat via Twitter angekündigt in Kürze zu den Workouts der Cowboys Spieler dazu zu stossen. Das sagt einiges aus über den jungen Mann von der USC! Denn sollte sich Smith im Rahmen der Trainingseinheiten verletzten, sind die Dallas Cowboys nicht in der Verantwortung sein Gehalt zu zahlen…

Während des Drafts hatten die Cowboys gleich mehrere Angebote für einen Trade-Down auf dem Tisch. Sie zogen es jedoch vor den wohl atlethischsten Tackle der Draft Klasse an Position 9 zu draften und beendeten damit eine “Durststrecke” von 30 Jahren ohne einen Offensive Lineman in Runde 1.

Tyron Smith wird in 2012 jede erdenkliche Chance erhalten auf der rechten Seite der O-Line der Cowboys starten zu dürfen. Damit steht die Zukunft des aktuellen Starters Marc Colombo in den Sternen. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass Colombo die Cowboys verlassen wird.

Fazit: Insgesamt ist Smith aus meiner Sicht der perfekte Pick: er trifft den wohl größten Need der Cowboys, er ist extrem jung (20 Jahre), hat eine fantastische Arbeitseinstellung (siehe oben) sowie die phsyischen Voraussetzungen für einen Top-Tackle.

Note: A

Bruce Carter – Linebacker (North Carolina)

6-3, 238 lbs
2. Runde (Position 40)

Bruce Carter ist wohl ein Pick, der bei zahlreichen Fans und Experten Kopfschütteln verursacht hat. Und das aus vor allem einen Grund: Carter zog sich eine schwere Verletzung am Knie zu, die voraussichtlich seine Beteiligung am Training Camp verhindern wird. Es bleibt aufgrund der Schwere der Verletzung außerdem fraglich, ob er jemals zu alter Form zurückfinden kann.

Geht man davon aus, dass er sich vollständig erholt, haben die Cowboys mit ihm einen extrem schnellen und atlethischen Linebacker im Roster, der vor allem durch seine Fähigkeiten in der Passverteidigung glänzen sollte (Carter ist ein ehemaliger Strong Safety). ESPNInsider führt Carter aufgrund seiner Workout-Statistiken sogar an Nummer 1 der Freak List . Er hat also definitiv den Wow-Faktor. Zusätzlich wurde ihm von vielen Experten ein 1st Round Grade zugesprochen. Langfristig sollte Carter mit 2nd year Veteran Sean Lee um einen Starterposten kämpfen, immerhin ist Teamkollege Keith Brooking 36 Jahre alt und Bradie James wird nach der kommenden Saison ein Free Agent.

Zusätzlich sollte Carter bei den Special Teams glänzen: immerhin hält er einen Rekord mit sieben (7!) geblockten Kicks im Laufe seiner Karriere bei den Tar Heels.

Fazit: Aus meiner Sicht hat Bruce Carter zu viele Fragezeichen für einen so hohen Pick. Zusätzlich halte ich die Nickel LB-Position mit Sean Lee für sehr gut besetzt, so dass die Cowboys eine andere Position hätten verstärken sollen. Das Talent von Carter ist jedoch nicht zu verachten und er könnte die Mitte der Cowboys 3-4 über Jahre hervorragend besetzen.

Note: B-

DeMarco Murray – Runningback (Oklahoma)

6-0, 214 lbs
3. Runde (Position 71)

In Bezug auf die Secondary hat Jerry Jones von einem “down year” gesprochen, also einem Jahr, das nicht dem wahren Potenzial der Secondary entspricht. Immerhin hatten Mike Jenkins und Co. in der vorangegangenen Saison bewiesen, was in ihnen steckt. Dieses “down year” scheint er den Runningbacks Marion Barber, Felix Jones und Tashard Choice scheinbar nicht zuzuschreiben.

Denn in Runde 3 wählten die Dallas Cowboys mit Oklahoma’s DeMarco Murray einen Spieler mit starken Ambitionen auf den Starterposten. Murray’s Referenzen sind extrem beeindruckend: Rekord für die meisten Touchdowns (65), Punkte (390), Kickoff Return Average (27,58 –> ich sehe jetzt schon das zufriedene Grinsen auf dem Gesicht von Joe DeCamillis) sowie Yards insgesamt (6.718). Er war als Runningback extrem produktiv und erlief 3.684 mit einem Durchschnitt von 4,86 Yards pro Laufversuch. Dazu kommen 157 Catches… Der Junge ist also ein wirkliches Arbeitstier.

Einen leichten Dämpfer erhält der Pick durch die Verletzungshistorie von Murray. Fast seine gesamte Junior-Saison hatte er mit schwereren Verletzungen zu kämpfen und spielte auch als Senior mit mehreren leichteren Blessuren. Umso beeindruckender seine Statistiken.

Die Wahl von DeMarco Murray bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende der Ära Marion Barber bei den Cowboys. Zusätzlich sendet die Wahl ein deutliches Zeichen in Richtung Felix Jones, der auch in der vergangenen Saison den Erwartungen nicht gerecht werden konnte.

Fazit: Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und mit DeMarco Murray haben sich die Cowboys gleich extrem produktiven Wettbewerb für ihre Runningbacks ins Boot geholt. Nach anfänglicher Skepsis macht der Pick von Murray aus meiner Sicht extrem viel Sinn. Mit seinem Talent und seinem Resumee bietet er zusätzlich hervorragenden Wert in Runde 3.

Note A-

David Arkin – Offensive Guard (Missouri State)

Erste heute Morgen habe ich erneut Stimmen gelesen, die David Arkin als einen DER Sleeper Picks des Drafts halten. Arkin zeichnet sich durch seine “Mean-Streak” aus, besitzt hervorragende Kraft und versteht es seine Blocks zu “finishen”. Zusätzlich bietet er den Cowboys die Option sowohl als Guard als auch als Tackle aufzulaufen. Rick Gosslin zählt Arkin zu den Top 100 Draft Prospects.

Es ist wohl nicht zu erwarten, dass Arkin bereits in 2012 den Sprung in die Starting Lineup der Cowboys schaffen wird (meine Meinung – NFLDraftBible geht sogar davon aus, dass Arkin bereits in der Pre-Season zum Starter ernannt werden wird) , zumindest sollte er aber das Feld der Ersatzspieler anführen. Ein kleineres Fragezeichen ist das Level der Gegenspieler mit denen sich David Arkin am College messen musste. Immerhin spielte er “nur” Division 1 Football an der Missouri State Universität. Die Gewöhnung an die NFL könnte also eine etwas Längerfristige sein.

Fazit: Die Cowboys benötigen Verstärkung in der Offensive Line. Der Pick ist also in Bezug auf die Team-Needs definitiv gerechtfertigt. Ich habe sogar in den Runden davor auf einen Guard gehofft. Letztendlich muss Arkin das Division I Fragezeichen beantworten. Insgesamt ein solider Pick, wie ich finde.

Note: B

Josh Thomas – Cornerback (Buffalo)

5-11, 198 lbs
5. Runde (Position 143)

Was für viele ein Draft Target in Runde 1 oder 2 war, wurde von den Dallas Cowboys erst in Runde 5 ins Visier genommen. Mit Josh Thomas wurde endlich der erste Spieler für die Passverteidigung gedraftet. Thomas wird – ähnlich wie Orlando Scandrick damals – als sehr unangenehmer Gegenspieler beschrieben, der zwar nicht unbedingt eine Nase für den Ball hat, gegnerische Teams aber regelmäßig davon abhielt in seine Richtung zu werfen.

Aufmerksamkeit erregte Josh Thomas im Rahmen des Dallas Day, bei dem die Cowboys Spieler mit Wurzeln in Texas zu einem Workout einladen. Thomas stammt ursprünglich aus Cedar Hil, Texas.

Fazit: Ein weiterer solider Pick, der sich langfristig auszahlen könnte. Wertvoll in Bezug auf die benötigte Verstärkung der Secondary! Im Roster der Cowboys wird er zunächst wohl nur im Keller der Depth Chart seinen Platz finden müssen und mit Bryan McCann und Alan Ball um einen Roster Spot kämpfen.

Note: B

Dwayne Harris – Wide Receiver (East Carolina)

5-10, 201 lbs
6. Runde (Position 176)

Mit Dwayne Harris holen die Dallas Cowboys einen weiteren extrem produktiven Spieler eines kleineren Colleges ins Roster. Noch in der High School lief Harris als Quarterback auf, wechselte in East Carolina jedoch erfolgreich auf die Wide Receiver Position. Am Ende seiner College Karriere standen der Rekord für die meisten Catches (268) sowie Yards (3.001) an seiner Schule zu Buche.

Harris ist ein echter Slot Receiver, der keine Angst hat über die Mitte zu gehen. Weniger ein Speed-Receiver, versteht er es Big Plays mit dem Ball in der Hand zu machen. Viele Scouts vergleichen ihn mit einem Patrick Crayton, ebenfalls einem ehemaligen Quarterback. Zusätzlich hat er Erfahrungen als Returner, kann also von Minute 1 einen wertvollen beitrag leisten. In der Offense wird er wohl mit Sam Hurd und Kevin Ogletree um Spielzeit kämpfen.

Sollten die Dallas Cowboys auf die Razorback-Formation zurückgreifen wollen, wäre Dwayne Harris übrigens der ideale Kandidat dafür. Denn im gegensatz zu einem Tashard Choice geht von harris auch die Gefahr eines präzisen passes aus.

Shaun Chapas – Runningback (Georgia)

6-2, 236 lbs
7. Runde (Position 220)

“A coaches dream” – das war das Erste, das ich über Shaun Chapas gelesen habe. Ein Typ, der sich nicht zu schade ist um die harte, dreckige Arbeit eines Fullbacks zu verrichten. Chapas Resumee ist beeindruckend: er wurde für seine akademischen Leistungen von der SEC geehrt und bekam den Leon Farmer Award für besonderen Einsatz im Kraftraum. Zusätzlich wurde er von den Coaches mit dem Leadership Award Special Teams sowie dem David Jacobs Award für außerordentliche Courage, Spirit, Charakter und Fleiß ausgezeichnet. Allein diese Tatsache macht den Jungen doch außerordentlich sympathisch. Ach ja, nicht zu vergessen der True Grit Award sowie die Ernennung zum permanenten Team Captain.

Bei den Cowboys wird er sich gegen Chris Gronkowski durchschlagen müssen um einen Roster Spot zu ergattern. Die Cowboys werden sich nicht den Luxus leisten gleich zwei Fullbacks zu behalten. Dabei stehen Chapas Chancen aus meiner Sicht nicht all zu schlecht, immerhin war es Gronkowski, der in der vergangenen Saison zahlreiche wichtige Blocks verpasste. Fragt mal Tony Romo

Fazit: Auch mit diesem Pick eröffenet Jason Garrett die Konkurrenz im Roster. Und mit Shaun Chapas holt er siche einen Vorzeige-Spieler, bei dem man mit 100%iger Sicherheit davonn ausgehen kann, dass er immer vollen Einsatz zeigen wird. Seine sportlichen Fähigkeiten wird Chapas noch unter Beweis stellen müssen. Insgesamt ist er nicht wie ein typischer NFL Fullback gebaut.

Note: B+

Bill Nagy – Offensive Guard (Wisconsin)

6-3, 318 lbs
7. Runde (Position 252)

Bill Nagy war ein Backup bei den Wisconsin Badgers. Allein diese Tatsache hat den letzten Pick der Dallas Cowboys für mich etwas getrübt. Immerhin waren noch zahlreiche sehr erfahrene College Spieler verfügbar… (Ich habe bis zuletzt auf Boston’s Linebacker Mark Herzlich gehofft).

Der Grund für den Pick ist einfach gefunden: Nagy hat im Laufe seiner College Karriere sämtliche Positionen der Offensive Line gespielt: vom Center bis zum Tight End. In der NFL scheint er am besten für die Center oder Guard Position geeignet zu sein.

Fazit: Extrem schwer einzuschätzen dieser Pick. Ich gehe davon aus, dass Nagy auf die Practice Squad der Cowboys kommen wird. Seiner Erfahrung ist ein dickes Minus, seine Flexibilität ein dickes Plus…

Note: C+

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  1. Dallas Cowboys in der Frischzellenkur « Sideline Reporter - 26. Mai 2011

    [...] Nachtrag: Derfootballchrisse von Dallas Cowboys Fans hat sich genauer auf die einzelnen Rookies hergemacht. [...]

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