Franchise Tag für Anthony Spencer?

In Bezug auf die Zukunft von OLB Anthony Spencer bei den Dallas Cowboys gibt es aktuell unter Experten und Fans zahlreiche kontroverse Diskussionen. Diese wurden noch einmal durch die Nachricht angheizt, dass Spencer möglicherweise mit dem Franchise Tag in Dallas gehalten werden könnte.

Kurz zur Erklärung: Mit einem Franchise Tag können NFL-Teams Schlüsselspieler, deren Vertrag ausläuft daran hindern Unrestricted Free Agents zu werden. Damit verpflichtet das Team den Spieler automatisch für die kommende Saison für ein Gehalt, das dem Durchschnitt des Top-Gehalts seiner Position aus den letzten 5 Jahren entspricht. Zu unterscheiden ist dabei der “exclusive” bzw. “non-exclusive” Franchise Tag. Zweiterer erlaubt dem Spieler mit anderen Teams zu verhandeln. Bei einem Übereinkommen hat das alte Team jedoch das Recht das Angebot zu matchen und erhält als Kompensation 2 First Round Picks. Der Spieler hat nicht das Recht einen Franchise Tag abzulehnen. Meist wird der Franchise Tag vergeben, wenn sich Team und Spieler nicht auf einen neuen längerfristigen Vertrag einigen können. Aufgrund der Höhe des Gehalts erhalten häufig die Top Spieler der jeweiligen Teams den Franchise Tag (Michael Vick bei den Eagles, Logan Mankins in New England, oder David Harris von den Jets).

Zurück zu Anthony Spencer… Die weitläufige Meinung ist, dass Spencer ein verschwendeter Pick war (nur 5 – 6 Sacks pro Saison) und ersetzt werden muss. Damit macht ein Franchise Tag und eine Top-Bezahlung in den Augen vieler Fans überhaupt keinen Sinn. Schauen wir uns das Thema genauer an. Fakt ist:

* Anthony Spencer ist nicht DeMarcus Ware in Bezug auf seine Dynamik sowie seine Qualitäten als Pass Rusher.

* Spencer’s Statistiken im Vergleich zu den anderen #2 OLBs in der Liga sind ziemlich ordentlich
(Vergleiche mit den Top OLBs der Liga machen wenig Sinn, diese muss sich DeMarcus Ware als #1 Pass Rusher gefallen lassen.):

Spieler, Team Sacks Tackles
Kerrigan, Wash 9 40
Harrison, Pitt 9 38
Taylor, Mia 7 11
Spencer, Dal 6 53

Es sind in der gesamten NFL also nur 3 OLB erfolgreicher in Bezug auf Sacks als Spencer. Damit ist Spencer übrigens kein One-hit-Wonder. In 2010 hatte nur LaMarr Woodley von den Steelers mehr Sacks (9 vs. 5). Um sich also zu verbessern, müsste man einen dieser Spieler verpflichten. Unrealistisch bis unmöglich! Gleiches gilt natürlich für die #1 Pass Rusher aus den anderen Teams, womit der Blick auf den Draft fällt. Hier wird ein Courtney Upshaw als der Top OLB Kandidat gehandelt. Das Problem: Upshaw erinnert vom Typ eher an Spencer als an Ware. Zudem ist natürlich nicht mit Sicherheit gegeben, dass Upshaw ähnliches Entsetzen bei den Tackles der Liga auslöst wie DeMarcus Ware. Vom Regen in die Traufe?

Zusätzlich gilt weiterhin der Gedanke aus meinem letzten Artikel zum Thema Mario Williams: um eine funktionierende 3-4 auf die Beine zu stellen, benötigt man einen OLB, der auch in die Coverage zurückfallen kann. Anthony Spencer‘s Rolle im Team geht also über die reine QB-Jagd hinaus, wodurch eine solitäre Betrachtung der Sacks irreführend ist.

Unter dem Strich bedeutet dies nicht, dass Anthony Spencer bei den Dallas Cowboys unersetzlich ist! Aber betrachtet man die aktuellen 3-4 Free Agents (Ahmad Brooks, Eric Walden, Clark Haggans) bzw. Draft Prospects (Upshaw, Melvin Ingram), so ist kein Spieler zu erkennen der klar besser ist als Spencer. Für Upshaw oder Ingram muss man den Pick #14 hinlegen und tauscht nur einen soliden OLB gegen einen anderen aus. Oder rückt vielleicht doch Victor Butler auf? Was passiert, wenn Butler dem Vorbild Phil Costa folgt?

Mit der Vergabe des Franchise Tags können sich die Cowboys diese Offseason auf die übrigen Löcher im Roster konzentrieren (O-Line, Secondary) und sich ein weiteres Jahr Zeit nehmen, Spencers Nachfolger zu identifizieren. Insofern kein all zu blöder Gedanke wie ich finde.

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